Ein Arzt meines Freundes sagte, seine Patienten hätten alle eine “Weißkittel-Allergie”. Das ist humorvoll ausgedrückt. Er meint jedoch, sehr viele Menschen gehen erst viel zu spät zum Arzt. Sie hätten früher kommen sollen.
Man kann es verstehen: Es ist heute teilweise schwer, überhaupt einen Arzttermin zu bekommen. Es ist mühsam, man muss sich freinehmen, hingehen, im Wartezimmer rumsitzen. Und dann besteht auch noch die Gefahr, eine schlimme Diagnose zu bekommen. Davor hat man Angst. Was ist, wenn der Arzt zu mir sagt: “Oh, das muss ich mir einmal genauer ansehen. Das müssen wir lieber einschicken und eine Laboruntersuchung machen lassen.”
Viele sehen lieber einmal im Internet nach und geben dort ihre Symptome ein. Das kann auch durchaus helfen, es kann aber auch verwirren.
Gehen Sie lieber einmal zu viel oder zu früh zum Arzt als einmal zu wenig oder zu spät. Raffen Sie sich auf, machen Sie sich Ihrer Gesundheit zu Liebe die Mühe. Und überwinden Sie Ihre Angst. In über 90% aller Fälle ist die Diagnose nicht niederschmetternd. Und wenn, dann wäre Zuwarten meist schädlich.
Nehmen Sie auch alle Ihnen zustehenden Vorsorgetermine pünktlich wahr. Es ist ein beruhigendes Gefühl, wenn man weiß, alles ist okay. Und wenn es ein Problem gibt, dann bin ich rechtzeitig hingegangen und man konnte mir noch gut helfen.

Im Urlaub in Tunesien am Strand konnte ich plötzlich auf dem rechten Auge nur noch die Hälfte sehen. Es hatte sich wie ein Vorhang etwas über mein rechtes Auge gesenkt. Glücklicherweise war es zwei Minuten später wieder okay. Ich googelte dieses Geschehen und las, dass es eine Netzhautablösung sein könnte. In diesem Fall sollte man sofort zur Notaufnahme, da die Netzhaut schnellstmöglich wieder befestigt werden muss, damit man sein Sehvermögen nicht für immer verliert.
Glücklicherweise stand dort auch, dass die Behinderung oder Beeinträchtigung bleibt und nicht wie bei mir wieder weggeht. Dennoch war ich besorgt und schilderte per Mail den Vorfall meiner Cousine, die Kardiologin ist. Sie sagte, dass es sich wohl um eine Art ganz kleiner Schlaganfall handeln könnte, eine kurzzeitige Verstopfung einer Arterie im Auge. Sie empfiehl mir, in eine Apotheke zu gehen und mir Aspirin zur Blutverdünnung zu kaufen.
In Hamburg wieder angekommen ging ich sofort zu meiner Augenärztin und Sie sah mein Auge mit einem speziellen Gerät an und sagte “Da ist eine sehr dünne Ader, die könnte es sein”. Heute nehme ich präventiv Aspirin 100, um mein Blut etws zu verdünnen und solchen Vorfällen vorzubeugen – zumal meine Cousine bei mir eine beginnende Arteriosklerose festgestellt hat.