Ganz entscheidend für unsere Motivation und für unseren Erfolg ist das Bild, das wir von uns selbst haben.
Leider wird schon im Kindes- und Jugendalter negativ auf uns eingewirkt: „Kinder mit einem Willen…“, „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“.
Ständig werden wir klein gehalten, sind störend und „Nervensägen“, werden auf Dinge aufmerksam gemacht, die wir nicht können. Und da können die Eltern sehr grausam sein und uns etikettieren „Das lernst Du nie“, „Du bist ein Trottel“.
Das bleibt nicht folgenlos. Das eigene Selbstwertgefühl ist oft beschädigt und noch schlimmer: Wenn uns gesagt wird, wir seien ungeschickt, unsportlich – dann nehmen wir das an und üben das nicht. Dadurch lernen wir in den Bereichen nicht zu, die prophezeite negative Eigenschaft wird Wirklichkeit.
Selbstbewusstsein heisst, dass wir uns solcher Prozesse bewusst werden und uns ein realistisches Bild von uns selbst machen.
Was interessiert uns wirklich? Was kann ich gut? Was kann ich nicht so gut, aber ich würde es gerne besser können? Was möchte ich gerne einmal werden? Wo bin ich einmal wirklich besser geworden? Woran lag das?
So kommen wir unseren Stärken und Entwicklungspotentialen auf die Spur, auch vielleicht unserer Geschichte und Verletzungen und Enttäuschungen.
Nur wenn wir uns unserer Stärken und unserer Interessen bewusst sind, dann können wir uns auch die entsprechenden Ziele setzen und finden die Motivation, Hindernisse zu überwinden, uns zu konzentrieren, durchzuhalten und nach Fehlern und Misserfolgen wieder zu starten und neuen Mut zu fassen.
Und denken Sie auch an Ihre Vorbildwirkung auf andere: Loben Sie die Stärken anderer aufrichtig, machen Sie ihnen Mut, seien Sie bei Kritik zurückhaltend.

Als 15-Jähriger wünschte mir zu Weihnachten einen Graupner Modellbaukasten zum Bau des Seenotrettungskreuzers „Theodor Heuss“ mit Beiboot.
Der Wunsch ging in Erfüllung. Ich stellte mir vor, wie das fertige Boot schwimmen würde, ich es mit einer Fernsteuerung steuern würde – und begann in den Weihnachtsferien daran zu arbeiten. Es war ein Projekt für die ganzen Ferien. Und am Ende – ich schätze nach 100 Arbeitsstunden mit nicht endenden Laubsägearbeiten, Abschleifen, Lackieren – war das Boot fertig.
Wie gut, dass ich vorher schon kleine Laubsägearbeiten gemacht hatte. Schon als Fünfjähriger hatte ich einen Stern mit Kometenschweif ausgesägt (der noch heute Weihnachten unseren Tannenbaum schmückt). Meine Großmutter hatte mich damals gelobt. Und mein Großvater hatte aus Messing mit einer Metall-Laubsäge Vögel selbst entworfen und gesägt. Er war für mich ein großes Vorbild.
So traute ich mir die Arbeiten zu. Und so schaffte ich es auch, Durststrecken zu überwinden.
Ich hatte also gute Voraussetzungen. Wie wäre es gewesen, wenn mir nach den ersten Laubsägearbeiten gesagt worden: „Oh Gott, bist Du ungeschickt, das lernst Du nie. Handwerkliches ist eben nicht Deine Stärke.“