Wir reisten mit dem Bus durch Australien und kamen nach Mount Isa. Dort gibt es eine große Kupferfabrik. Der Reiseleiter erkläre uns, dass dort Kupfer mit einem Reinheitsgrad von 98,5% raffiniert wird.
Für manche Zwecke ist jedoch eine noch höhere Reinheit erforderlich. Und ein weiterer Prozess würde noch einmal dieselbe Energie benötigen, um dann nahezu 100% Reinheit zu erzeugen.
Für mich ist das ein Sinnbild gewesen für viele Arbeiten. Man kann z. B. eine Wohnung aufräumen und in relativ kurzer Zeit eine ganz gute Ordnung schaffen. Wenn man aber anfängt auch noch Schubladen zu sortieren, braucht das die doppelte Zeit und man sieht nahezu kein besseres Ergebnis.
So ist es bei vielen Dingen. Man bekommt in relativ kurzer Zeit ein vernünftiges Ergebnis. Wenn man ein besseres Ergebnis erreichen will, muss man oft die doppelte Zeit investieren.
Okay, manchmal ist das erforderlich – wie auch beim Kuper. Bei einer Herzoperation würde ich auch verlangen, dass sie perfekt gemacht wird.
Aber schon beim Autowaschen kann man es in 10 Minuten schaffen, man kann aber ohne Weiteres die doppelte Zeit verwenden – ohne ein doppelt so gutes Ergebnis zu bekommen.
Fragen wir uns also ab und zu: Wie perfekt muss es sein? Wie viel Zeit will ich investieren.

Ein sehr trauriges Beispiel für Perfektionismus war eine Haushaltshilfe, die wir einmal beschäftigt hatten. Sie putzte den Wasserhahn der Badewanne. Und als ich 10 Minuten später wiederkam, putzte sie ihn noch immer. Immer gab es noch einen kleinen Fleck oder Punkt. Sie kam einfach nicht voran. Es war eine Art Perfektionismuswahn, in den sie sich gesteigert hatte. Später erfuhren wir, dass sie wegen dieses Verhaltens in psychiatrischer Behandlung war.
Perfektionismus kann also sogar zwanghafte, kranke Züge annehmen, wie auch zum Beispiel Ordnungswahn.
Wir haben ein altes Haus Baujahr 1906, und viele der kleinen Reparaturarbeiten mache ich selbst. Bei den Holzfenstern sind am meisten die Wasserschenkel der Witterung ausgesetzt und die Farbe blättert dort etwas ab. Einmal im Jahr sehe ich mir das an und streiche nur die Wasserschenkel, nicht die ganzen Fenster. Nach kurzer Zeit hat sich Staub darauf gesetzt und man sieht den Unterschied zu dem anderen Holz nicht mehr. Genauso mache ich es mit Farbstellen an den Geländern. Es wird nur an den Stellen gestrichen, an denen die Farbe abblättert.